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#002 Was sind Magic Mushrooms?

magic mushroom varieties

Was sind Zauberpilze?

Zauberpilze sind auch bekannt als Magic mushrooms, Boomers, Caps, Simple Simon, Das Fleisch der Götter und, für Leute die Pilze nicht von Chemikalien unterscheiden können, Psilocybin.

Es geht um Pilze mit halluzinogener Wirkung.

Sie sind das einfachste und meist verbreitete Psychedelikum der Welt und werden buchstäblich schon seit Jahrtausenden von Menschen genutzt.

Aber was können Pilze so grossartiges zu bieten haben, dass die Menschheit ihnen erst Tempel baut, sie dann zur Gefahr für die Gesellschaft erklärt und schliesslich eingesteht, dass sie wahrscheinlich der Schlüssel zur Erforschung des menschlichen Geistes sind?

Als ich vor 6 Jahren mit dem Recherchieren anfing, war der Hype noch nicht so ganz losgegangen und ich fand vor allem 3 Arten von Quellen:

Neurowissenschaftliche Befunde die für Laien kaum lesbar waren weil sie nur aus Fachbegriffen und Statistik bestehen.

Selbstgebastelte, spirituelle Websites aus den späten 90ern und Drogen-Berichte, in denen Menschen ihre intimsten Gefühle und Erfahrungen mit dem Internet teilen.

Gute alte Zeit.

Mittlerweile hat sich die Lage mit den Informationen drastisch verbessert. Es gibt tonnenweise gute Quellen online, leider bisher viele davon nur auf Englisch.

Aber fangen wir doch einfach bei den Basics an:

Wie sehen Magic Mushrooms aus?

Psilocybe oder Panaeolus?

Es gibt gleich 180 verschiedene Arten von Magic Mushrooms, die zum Teil super unterschiedlich aussehen. Sie gehören nichtmal alle zur gleichen Spezies.

Gemeinsam haben sie aber alle, dass sie psychotrope Wirkstoffe enthalten.

Psychotrop = „nimmt Einfluss auf die Psyche“

Bild (von links nach rechts): Psilocybe Cubensis, Psilocybe Cyanescens, Panaeolus Tropicalis, Psilocybe Semilanceata

Aktuell ist Psilocybe Cubensis die einzige Pilzsorte für die man problemlos Zuchtboxen finden kann. Alle Boxen in unserem Shop enthalten diese Sorte.

Was ist Psilocybin?

Der bekannteste Wirkstoff von Zauberpilzen heisst Psilocybin.

Eigentlich gibt es mehrere Wirkstoffe und wenn sie alle zusammen agieren, entsteht dabei ein Effekt für den ich die deutsche Übersetzung leider nicht gefunden hab. Es heisst Entourage Effect und bedeutet, dass die Gesamtwirkung mehr ist als die Summe ihrer Teile.

Aber Psilocybin ist der Hauptwirkstoff.

Psilocybin & DMT

Psilocybin wird im Körper zu Psilocin verstoffwechselt.

Sowohl Psilocin als auch DMT haben Ähnlichkeit mit dem „Glückshormon“ Serotonin und docken an dessen Rezeptoren an.

Psilocybin zählt zu den Tryptaminen und hat strukturelle Ähnlichkeit mit Dimethyl-tryptamin, dem Hauptirkstoff von Ayahuasca.

Die Pilze die diesen Stoff enthalten können sehr tiefe Zustände des erweiterten Bewusstseins auslösen. Sie sind dabei unschädlich für den Körper und laut Studien der Beckley Foundation sogar gut für die Gesundheit unseres Gehirns.

Abhängig machen sie übrigens auch nicht, eher im Gegenteil.

Psilocybin wird sogar eingesetzt um Suchtverhalten in den Griff zu kriegen. Das hat bei einer Studie zur Nikotinsucht so gut funktioniert, dass es den Pilzen den Spitznamen Wunderdroge eingehandelt hat.

Das ist schonmal besser als einfach nur „stinknormale Drecksdroge“, aber spiegelt ihre kulturelle Bedeutung nicht so ganz wieder…

Sacred Mushrooms

Mushroom Stones

Pilze sind in vielen mesoamerikanischen Kulturen heilig.

Sie gelten als Sakrament und als das Fleisch Gottes, dessen Verzehr es dem Bewusstsein erlaubt, in höhere Sphären einzutauchen.
Es gibt zahlreiche archäologische Funde aus denen deutlich hervorgeht, dass sie schon vor Jahrtausenden zur Heilung und inneren Reinigung eingesetzt wurden.

Auch in der indischen Mystik spielen sie eine zentrale Rolle und allem Anschein nach haben nordische und germanische Stämme ebenfalls eine besondere Beziehung dazu gehabt.

Die spirituelle Seite der psychedelischen Erfahrung ist heute genauso Thema wie damals.

In Europa ist die Entwicklung noch nicht soweit fortgeschritten dass ihr Gebrauch unter den Schutz der Religionsfreiheit fällt, wie etwa in Mexiko.

Das musste David am eigenen Leib erfahren. Als Leiter der Sacred Mushroom Church of Switzerland war er 2 Jahre lang aktiv, bevor er 2006 von den Schweizer Behörden in Untersuchungshaft genommen wurde. Das hat ihn über ein Jahr seiner Freiheit gekostet, ohne dass es in den nächsten 14 Jahren überhaupt zur Anklage gekommen wäre.

In Jamaica dagegen ist die Sacred Mushroom Church seit 2021 Realität und hat dieses Jahr im Februar ihre erste Eheschliessungzeremonie gefeiert.

Magic Mushrooms zur Persönlichkeitsentwicklung… und Heilung?

Mit dem richtigen Vorwissen kann man lernen, Zauberpilze systematisch einzusetzen.

Sie sind ein tolles Werkzeug zur Persönlichkeitsentwicklung und zum Verstehen und überwinden innerer Konflikte.

Dem gesunden user bieten sie eine Möglichkeit, seinen eigenen Geist besser kennenzulernen. Bewusstseinserweiterung bringt neue Perspektiven mit und oft auch eine gute Portion Lebensfreude.

Aber dieser Pilz ist nicht nur für völlig Gesunde Menschen interessant.

Studien des Johns Hopkins Instituts haben gezeigt, dass Psilocybin enormes Potenzial für die Behandlung seelischer Leiden hat. Es wird unter anderem eingesetzt zur Bekämpfung von Depressionen, Suchtverhalten und Angstzuständen.

Und es kommen jedes Jahr neue potenzielle Anwendungsmöglichkeiten dazu, wie zum Beispiel posttraumatische Stressstörungen und Demenz.

Man darf dabei nicht vergessen, dass die Erforschung von Psychedelika immernoch in den Kinderschuhen steckt, weil sie der westlichen Gesellschaft zwar seit knapp 50 Jahren bekannt sind, aber anfang der 70er von den Vereinten Nationen verboten wurden.

1971 erklärte US Präsident Richard Nixon den Krieg, den Krieg gegen die Drogen und damit Krieg gegen sein eigenes Volk.

Was den meisten heute normal vorkommt ist eigentlich ein ungeheurer Eingriff in die Privatsphäre und musste mittels heftiger Propaganda-Anstrengungen durchgesetzt werden. Der Staat soll ein Recht darauf haben, dir vorzuschreiben was du konsumieren darfst und was nicht.

Natürlich führt das Verbot nicht dazu, dass es plötzlich keine Nachfrage mehr gibt.

Aber wenn es für ein Milliardengeschäft wie Rauschmittel keine legalen Quellen mehr gibt, findet sich immer jemand der gern bereit ist, den Markt zu übernehmen.

Das ist der ideale Nährboden für organisiertes Verbrechen.

Die Prohibition von Alkohol hat in den USA nie zu weniger Alkoholkonsum geführt. Dafür hat sie aber die Mafia gross gemacht und nach dem gleichen Schema züchtete man mit dem Verbot von Opiaten, Cannabis, Kokain und Psychedelika riesige Drogensyndikate heran. Falls hier jemand Breaking Bad gesehen hat… genau das passiert, wenn es keine legalen Quellen für Rauschmittel gibt.

Falls das neu für dich war und du dich mehr mit dem Thema beschäftigen willst, möchte ich dir das Buch Chasing the Scream empfehlen.

Dort geht es darum, wie der Drogenkrieg begonnen hat, wem er nützt und was er für Schäden anrichtet und auch um die Frage, warum Menschen überhaupt zu Rauschmitteln greifen. Darüber werd ich in Zukunft auch mal eine Folge machen. Das hat zwar weniger mit dem Gebrauch von Psychedelika konkret zu tun, aber ist der Hintergrund der Debatte um die Legalisierung und Entkriminalisierung

Der war on drgus hat nicht nur zahlreiche Leben zerstört und die Kartelle gross gemacht, sondern auch Medizin und Forschung aufgehalten.

Wir wissen viel weniger über Psychedelika als es uns lieb wäre und sind viel weniger weit als wir es sein könnten. Aber die gute Nachricht ist, dass die medizinische Welt noch nie enthusiastischer mit Psychedelika beschäftigt war als jetzt.

Die Wirkung von Zauberpilzen

Konnektivität

Links: Hirnaktivität im Normalzustand

Rechts: Hirnaktivität auf Psilocybin

Pilze gehören zur Gruppe der klassischen Psychedelika, zusammen mit DMT, Meskalin und LSD.

Das Wort psyche-delisch kommt aus dem griechischen und bedeutet soviel wie „den Geist, oder die Seele offenbaren“. Das zeigt deutlich, dass mit Geist eben nicht nur der bewusste Teil unserer Denkprozesse gemeint ist, sondern dass eben noch wesentlich mehr dazu gehört als wir im Alltag wahrnehmen.

Stell dir einen Eisberg vor, dessen obere 10% aus dem Wasser ragen und damit sichtbar sind. 90% der Action spielt sich aber unter der Oberfläche ab.

Bei unserer Psyche ist das Verhältnis von bewusst und unbewusst nochmal deutlich krasser.

Unser Bewusstsein kann pro Sekunde etwa 40 Bits Informationen auf einmal verarbeiten. Unser Unterbewusstsein schafft dagegen pro Sekunde 11 Millionen Bits.

Durch den Gebrauch von Psychedelika bekommen wir die Möglichkeit, unsere Aufnahmefähigkeit zu erweitern und uns dessen bewusst zu werden, was sonst im Verborgenen liegt.

Pilze gelten ausserdem als eines der Entheogene, wieder ein Wort aus dem griechischen, was soviel heisst wie „das Göttliche im Inneren kreieren“.

Die Grenze zwischen Psychedelika und Entheogenen ist etwas verschwommen, aber grob gesagt sind Entheogene grundsätzlich natürlich, also psychotrope Pflanzen oder Pilze, synthetische Stoffe gehören nicht dazu.

Die Klassifizierung als „Psychedelika“ bezieht sich rein auf die Wirkung, aber nicht auf den Ursprung. Kakao ist zum Beispiel ein Entheogen, aber nicht psychedelisch. Umgekehrt ist LSD kein Entheogen.

Dieser Begriff enstammt der Feder des Science Fiction Autors Aldous Huxley, der sehr besorgt war, über das zusammenmatschen jahrtausendealter Medizin mit gerade entdeckten Synthetischen Stoffen in einem Begriff. Und er behielt damit recht, dass das Stigma um das Wort „psychedelisch“ zum Problem werden würde.

Entheogene nennt man oft auch „Plant teachers“ und beschreibt damit das Gefühl, von einer persönlichen und wohlwollenden Kraft an der Hand genommen zu werden. Das ist eine Besonderheit die es bei synthetischen Stoffen nicht gibt. Synthetika werden als sehr präzise und in der Wirkung eher digital und unpersönlich beschrieben.

A propos wirkung.

Die Wirkung von Pilzen besteht im Wesentlichen darin, dass sie den Geist für Eindrücke öffnen die unser Unterbewusstsein sonst routiniert ausblendet.

Die Pforten unserer Wahrnehmung öffnen sich. Sowohl von innen als auch von aussen erreichen uns Impulse die wir sonst herausfiltern und wir nehmen die Welt wieder so wahr wie wir es als kleine Kinder getan haben.

Die Sinneswahrnehmung ist dabei enorm verbessert. Man sieht schärfer, die Farben werden kräftiger, das Licht wird heller. Häufig gehören dazu auch visuelle Verzerrungen und Hallzinationen. Man sieht dann überall Bewegung und Muster aus geometrischen Formen und organischen Strukturen.

Der bepilzte Bewusstseinszustand hat starke Ähnlichkeiten mit der Art von Aufmerksamkeit die wir aus Träumen kennen. Beim Träumen produziert unser Gehirn sein eigenes DMT und hat sowas wie einen selbst induzierten psychedelischen Mini-Trip.

Träume sind ja dafür bekannt, dass sie uns zeigen was wir tagsüber so verdrängen.

Im Prinzip sind sie auch ein Fenster in unser Unterbewusstsein.

Natürlich hat eine normale Traumphase von ganz anderen Dimensionen als eine volle psychedelische Erfahrung. Ein Tropfen Filterkaffee wirkt auch anders als ein halber Liter Espresso.

Aber die grundlegenden Mechanismen sind trotzdem sehr ähnlich.

Wer Erfahrung mit intensiven oder gar luziden Träumen hat, hat somit auch bereits Erfahrung mit einem veränderten Bewusstseinszuständen.

Alles erscheint leicht fremd, aber dabei unglaublich real.

Gedanken und Emotionen nimmt man dadurch viel intensiver und unmittelbarer wahr.

Bei einer richtig hohen Dosis erwarten einen mitunter auch Muskelschwäche und die völlige Auflösung des Ich-Gefühls. Eine solche Erfahrung nennt man dann Hero’s journey.

Gefahren bei Magic Mushrooms

Wie das aber mit allem im Leben so ist, kann man bei falscher Anwendung auch sehr unangenehme Erfahrungen machen.

mit Pilzen ist Risikofaktor Nummer EINS das falsche Umfeld.

Wenn du keinen ausreichend sicheren Ort für die Erfahrung hast, kann ich dir nur dringend abraten – auch wenn am Ende nichts schlimmes passiert, hast du ständig im Hinterkopf dass du aufpassen musst. Das ist super nervig und du wirst dir wünsche, du wärst zu Hause.

Das eigene Bett kann ein guter Ort für Pilzerfahrungen sein.

Es macht auch Sinn, etwas in der Nähe zu haben womit man sich die Augen abdecken kann, weil grelles Licht in einem supersensiblen Zustand sehr unangenehm sein kann.

Draussen in der Natur zu trippen hat auch etwas sehr schönes, aber da ist wieder die Frage, wie privat deine Umgebung wirklich ist und ob du dich darin verlaufen kannst.

Ich habe mal ein paar stressige Stunden in einem Nadelwald auf Gran Canaria verbracht. Ich hatte mir die Gegend im Nüchternen Zustand angesehen und meinte, dass es kaum möglich wäre sich dort zu verlaufen. Sike!

Obwohl ich sicher war dass ich nicht weit gegangen war, fand ich schon nach kürzester Zeit nicht mehr den Weg zurück zu meinen Sachen. Die Stärke der Dosis hatte ich zwar sehr präzise so hinbekommen hatte wie ich sie wollte, aber trotzdem war das mit dem orientieren plötzlich eine Riesenherausforderung.

Und dann war da auch noch eine Gruppe Rentner, die mit ihren Nordic Walking Stöcken zwischen den Bäumen ausschwärmte und gott weiss was suchte. Eigentlich hab ich wenig Probleme mit Fremden, aber auf einem Trip bin ich immer lieber für mich allein. Ich habe nie ganz Ruhe von der Befürchtung, dass jemand merken könnte, dass bei mir gerade voll die Post abgeht.

So ganz rational ist diese Abneigung vielleicht gar nicht, weil es ja eigentlich niemanden was angeht.

Letztenendes bin ich 5 stunden lang im Dauerlauf die ganze Bergkuppe entlang gejoggt und dabei immer grossräumig den Spaziergängern ausgewichen, bis ich endlich den Platz mit meiner Tasche wiedergefunden hab.

Die Sache hatte auch was für sich, denn ich war wohl so aktiv dass sich zu der Wirkung der Trüffel noch ein Runner’s High hinzugesellte und ich hatte das Gefühl, wie ein Waldgeist durch die Landschaft zu fliegen, ohne Anstrengung und ohne Sorgen oder Wünsche.

Und ich bin wirklich kein trainierter Langstreckenläufer. Wenn ich 20 Minuten am Stück jogge, ist das für mich ein Win.

Das ganze wäre aber sicher ganz anders gelaufen, wenn die Erfahrung meine erste gewesen wäre.

Allein an einem fremden Ort all seine Wertsachen zu verlieren, während die Sonne schon untergeht ist so ungefähr das letzte was ich jemandem wünschen würde für den Pilze noch ganz neu sind.

Eigentlich ist das beste was man da machen kann, sich jemanden dazuzuholen der schon etwas Erfahrung mit Psychedelika hat.

Wenn dieser Jemand selbst Tripsitter oder erfahrener Schamane ist, gibt einem das den Rahmen um das Maximum aus der Erfahrung rauszuholen.

Die zweite Komponente für einen erfolgreichen Pilztrip ist neben dem Setting das richtige Mindset.

Wer set und Setting beachtet, kann sich eine Menge Ärger ersparen und hat sogar die Chance auf ein transformatives Erlebnis.

Aber auch wenn man alles richtig macht, sind Magic Mushrooms nicht irgendwie an und für sich ziemlich riskant?

Bei der weltweit grössten Studie zur Einschätzung der Schädlichkeit von Drogen kamen die Forscher des Imperial College London zu dem Schluss, dass magische Pilze die sicherste Substanz von allen sind.

Zu dem gleichen Schluss war 2007 auch schon das niederländische Gesundheitsministerium gekommen.

Es machte der Regierung daraufhin deutlich, dass ein Verbot nur dazu führen würde, dass Leute sich dann gefährlichere Sachen reinpfeifen. Wichtig wäre sinnvolle Qualitätskontrolle.

Kein Jahr später wurden sie dann verboten. Tsk. Ja, schön gemacht. Toll. Da soll nochmal einer glauben dass es bei solchen Verboten um das Wohl der Bürger geht.

Rein chemisch sind Pilze so untoxisch, dass es ist tatsächlich nicht möglich, sie überzudosieren. Man müsste in etwa sein eigenes Gewicht in Frischpilzen essen, um sich zu schaden. Und wer sein eigenes Gewicht in egal welchem Nahrungsmittel isst, schadet sich garantiert.

Nach tausenden von Jahren des Experimentierens hat es bisher niemand geschafft, sich mit Psilocybin zu vergiften.

Die Wirkung einer Zauberpilz-Erfahrung dauert maximal 4-8 Stunden, danach kehrt das Bewusstsein allmählich unaufhaltsam wieder in seine alltägliche Konfiguration zurück. Da aber das Zeitgefühl nicht wie gewohnt funktioniert, macht es das schwer, die Dauer selbst einzuschätzen.

Das ist zum Beispiel ein guter Grund, einen eingeweihten Partner, Freund, Mitbewohner oder im besten Falle einen erfahrenen Tripsitter oder Schamanen an seiner Seite zu haben.

Wenn man aber niemanden da hat der auf einen aufpasst, fängt man am besten klein an und gewöhnt sich mit einer Low dose erfahrung erstmal an die wirkung. Wenn alles super läuft, kann man die Dosis beim nächsten mal steigern.

Sind Zauberpilze legal?

Und das bringt uns auch schon zum letzten Punkt, dem Thema der Legalität.

Psilocybin ist ein nicht verkehrsfähiger Stoff und fällt unter das Betäubungsmittelgesetz.
Als Reinsubstanz ist es aktuell in allen Ländern der Welt mit Ausnahme von Jamaica verboten.

Zauberpilze sind kein Psilocybin!

Da Pilze keine Reinsubstanz sind, gelten für sie grundsätzlich andere Gesetze.

Wenn man nämlich etwas verbietet was von alleine wächst, ist das von vornherein zum scheitern verurteilt. Förster und Milchbauern produzieren auf ihren Wiesen und Wäldern jedes Jahr Tonnen von Zauberpilzen, ohne etwas dafür zu tun oder es auch nur zu merken.

Wichtig ist die Absicht. Ein Bauer züchtet Kühe, keine Pilze und man unterstellt ihm nicht, sich an den Pilzen die aus seiner Wiese spriessen zu berauschen.

Zollbeamte dagegen haben gelernt, wenn sie Pilze in deiner Post finden, sind das gefährliche Drogen und müssen konfisziert werden.

Die Absicht macht hier den Unterschied juristisch spricht man dann vom „Verdacht auf Missbrauch zu Rauschzwecken“.

Ganz so einfach ist die Sache aber nicht.

Zaubertrüffel sind legal – auch in Deutschland.

magic truffles microdosing, provithor

Magic Truffles aus NL

Es gibt auf dem Europäischen Markt ein Produkt das unmittelbar mit Zauberpilzen verwandt ist.

Gemeint sind Zaubertrüffel. Diese Trüffel haben die gleichen Inhaltsstoffe und Wirkungen wie magische Pilze, sind aber völlig legal.

Sie ähneln Pilzen deshalb so stark, weil sie aus ein und demselben Organismus entstehen.

Trüffel wachsen unterirdisch und brauchen einige Monate um sich zu entwickeln, schmecken ziemlich sauer und wirken etwas milder als Pilze.

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In den Niederlanden werden sie schon seit Jahrzehnten hergestellt und verkauft und haben dabei so auffällig wenig Probleme verursacht, dass sie 2019 vom Steueramt zu Genussmitteln erklärt wurden:

Königliches Steueramt der Niederlande

Das heisst, sie haben eine eigene Steuerklasse und sind ein ganz offizielles Produkt der Europäischen Union, was wiederum bedeutet, dass man sie auch besitzen darf.

Das mit den Steuern weiss ich deshalb so genau, weil für meinen Smartshop schon eine Umstellung war, als die Steuern von 9% auf 21% gesprungen ist.

Witzigerweise hat die Niederlande auch in dem Verbot der Zauberpilze selbst ein Loophole eingebaut. Wer möchte, kann sich Pilze ganz einfach selbst züchten und dafür Growkits bestellen die auch ganz offiziell verkauft werden. Der Witz ist nämlich, dass das Myzel aus dem die Pilze wachsen kein Psilocybin enthält. Das entsteht nämlich erst, wenn die Box geöffnet wird und UV Strahlung abbekommt.

Dieser scheinbare Widerspruch ist aber kein Versehen.

Ich hab mich zwar vorhing aufgeregt dass Pilze verboten wurden, aber will euch jetzt auch den Grund erklären.

Warum man in Holland keine Magic Mushrooms kaufen kann

Pilze haben nämlich eine Schwachstelle. Und das ist ihr schwer einschätzbarer Wirkstoffgehalt. Von aussen weiss man nie wie stark der Pilz ist. Daraus entsteht die Gefahr für den Nutzer, versehentlich eine wesentlich stärkere Dosis zu sich zu nehmen als geplant.

Wer keine Ahnung von Pilzen hat und völlig unvorbereitet einfach irgendwas isst, kann dabei schon mal in Panik geraten und etwas Dummes machen.

Und genau das haben die Wochenendtouristen in Amsterdam schon immer gerne gemacht.

Als die Pilze noch frei verkauft wurden, verging kein Wochenende an dem nicht irgendein Schlaumeier einen Krankenwagen rief, weil er völlig falsch dosiert hatte und glaubte, das jetzt mit seinem Leben zu bezahlen. Solange es aber nicht um Mischkonsum ging, ist nie jemandem was passiert.

Die Innenstadt von Amsterdam ist allerdings auch ein denkbar schlechter Ort für einen Trip.

Das Verbot war eine politisch motivierte Entscheidung, die nichts mit der eigentlichen Gefahr durch die Pilze selbst zu tun hat. Man wollte vor allem die ständigen Zwischenfälle beenden.

Durch die Growkits sind diese weiterhin erreichar, allerdings ist ein Mindestmass an Geduld und Vorbereitung erforderlich.

Touristen haben gar nicht die Zeit, erst ihre eigenen Pilze zu züchten.

Und was Trüffel angeht, gehört schon eine Portion Willenskraft dazu die in Mengen zu essen die wirklich psychedelisch wirken. Man muss gut kauen und sie schmecken so sauer, dass man sie nicht aus versehen überdosieren kann.

Sowohl Zuchtkits als auch Zaubertrüffel werden mit vollem Wissen der Regierung und im professionellen Stil hergestellt und es gibt keinen Grund zu der Annahme dass sich das ändern sollte.

Gerade jetzt wo Zauberpilze in Oregon und Chicago entkriminalisiert wurden und Psilocybin sogar in den Mainstream-Medien öfters vorkommt, feiert die Trüffel-Industrie den grössten Wachstumsschub den sie je gesehen hat.

Pilze sind voll im Trend und diesmal sind ihre Verfechter in der Gesellschaft Ärzte, Manager und Unternehmer. Eine ziemliche 180 Grad wendung.

Um zu verstehen in was für verrückten Zeiten wir leben, werfen wir zu Abschluss noch einen kurzen Blick in die Geschichte und schauen uns an, was sich in den letzten Jahren verändert hat.

Magic Mushroom History

Die ältesten Nachweise für den Gebrauch von Zauberpilzen stammen aus einer Zeit von etwa 10.000 vor Christus. Mehr als Höhlenmalereien sind uns davon aber nicht geblieben.

The bee shaman

Von den Azteken und Maya wissen wir, dass sie gern Honig benutzten um getrocknete Pilze haltbar zu machen und aus diesen Kulturen haben wir immerhin Steistatuen und Pilzikonen in Tempeln.

In Süd- und Zentralamerika ist der religiöse und rituelle Gebrauch der hongos sagrados bis heute aktiv, weswegen Pilze in Mexiko übrigens auch nie verboten wurden. Sie sind Teil der Kultur und fallen unter den Schutz der Religionsfreiheit.

Die moderne westliche Welt dagegen erfuhr erst in den 50ern überhaupt von den Pilzen. Daraufhin wurden sie Teil der Hippiebewegung und fielen mit ihr zusammen der Prohibition und allgemeinen gesellschaftlichen Ächtung anheim. Dann hörte man lange Zeit nichts mehr.

In Europa passierte das gleiche, wenn auch verspätet und 2008 wurden Zauberpilze auch in den Niederlanden verboten, dem letzten Land in dem sie noch frei verkauft worden waren.

Und trotzdem ist Psilocybin mittlerweile ein Hype-Wort.

Es gibt eine ganze Menge Menschen für die Psychedelika in den 60ern eine besondere Rolle gespielt haben, die sich nicht von der Gegen-das-System-Stimmung haben mitreissen lassen. Sie haben aus den Fehlern von Timothy Leary und Co gelernt und sind stattdessen allen Hindernissen zum Trotz den überkorrekten Weg gegangen.

So kommt es, dass die Galleonsfiguren der neuen psychedelischen Bewegung in vielen Fällen die besten ihres Fachs sind.

Aber auch das Nutzerprofil hat sich geändert.

Ich selbst kenne keinen einzigen Pilzfreund der sein Leben nicht im Griff hat. Alle mit denen ich darüber gesprochen habe, sind sich einig, dass man sie dafür da sind, mehr aus der Zeit die wir haben herauszuholen – und nicht für irgendeine Flucht aus der Realität.

Pilze oder Trüffel nimmt man nicht jedes Wochenende zum Abschalten, sondern eher einmal alle paar Monate um zu sehen wo man steht und wo man sich vielleicht selbst im Weg steht.

Es ist auch längst nicht mehr wahr dass Psychedelika grundsätzlich nur etwas für abenteuerlustige wäre.

Eine weitere grosse Rolle spielt das MICRODOSING.

Was ist Microdosing?

Beim Microdosing gibt es keinen Trip und keine bahnbrechenden Erlebnisse.

Man nimmt zwar Pilze oder Trüffel ein, merkt aber erstmal kaum was davon. Der Trick ist die richtige Dosis und die Regelmässigkeit.

Microdosing funktioniert so, dass man morgens nur ein winziges bisschen von einem Psychedelikum zu sich nimmt. Ideal sind dafür Trüffel, weil ihr konstanter Wirkstoffgehalt sie berechenbar macht und man sie sehr leicht dosieren kann. 1 Gramm davon ist in etwa so gross wie ein Maiskorn.

Die Wirkung einer so winzigen Dosis beeinträchtigt nicht die Wahrnehmung. Dadurch kann man ganz normal Arbeiten und Auto fahren. Vom Ablauf her ist das also eher wie das Einnehmen von Vitaminen, man macht es morgens, muss sich den Tag über aber nicht aktiv damit beschäftigen damit es wirkt.

Und ja, es gibt eine Wirkung, obwohl man nicht direkt etwas spürt.

Trotz ausbleibender direkter Effekte beeinflusst Microdosing die Stimmung positiv.

Man hat bessere Laune und auch besseren Zugriff auf die geistige Kapazität.

Bei gesunden Menschen zeigt sich das vor allem dadurch, dass man mehr in sich ruht und sich Herausforderungen eher gewachsen fühlt. Auch auf der kreativen Ebene macht sich das bemerkbar.

Man ist ein wenig lockerer und die Ideen fliessen besser.

Für Menschen die mit seelischen Leiden wie Depressionen, Migräne oder Angstzuständen zu kämpfen haben ist der Effekt nochmal krasser.

Hier muss ich darauf hinweisen, dass es bisher keine klinischen Nachweise für die Effektivität von Microdosing gegen diese Zustände gibt. Dafür aber gleich hunderttausende begeisterte Erfahrungsberichte.

Die anscheinend heilende Wirkung des Microdosing hat überhaupt erst zu dem krassen Zuwachs an Interesse geführt den Pilze in den letzten paar Jahren erlebt haben.

Der erste Verfechter dieser Praktik war übrigens Albert Hofmann. Viele kennen den Schweizer Chemiker vor allem als den Vater des LSD, aber wusstest du, dass er auch viel mit Pilzen zu tun hatte? Hofmann war 1955 der erste der Psilocybin aus Pilzen extrahierte und ist damit auch der, der den Stoff benannt hat.

Die Firma Sandoz für die er damals arbeitete sah grosses Potenzial darin und brachte sogar ein Medikament zur Psilocybin – Mikrodosierung auf den Markt, das sich Indocybin nannte.

Es macht einen ganz wesentlichen Unterschied, ob Psychedelika nur bei hoher Dosierung einen Effekt haben, oder ob sie auch in sehr kleinen Mengen einen Nutzen haben.

Eine psychedelische Erfahrung erfordert Mut und viel Vorbereitung. Nicht jeder kann oder will sich dem öffnen und es ist abzusehen dass Psychonauten auch bei immer besserer Aufklärung trotzdem eher in der Minderheit bleiben werden.

Microdosing dagegen ist für jeden einfach und problemlos machbar und kann die Auflösung des Stigmas gegen Psychedelika wunderbar vorrantreiben.

Aktuell wird an mehreren deutschen und zahlreichen Internationalen Universitäten nach den Einsatzmöglichkeiten für Psilocybin geforscht. Es sind auch bereits zahlreiche Psychedelika-Unternehmen an die Börse gegangen und die Industrie entwickelt sich rapide zu einem Multimillionen Dollar business.

Für den Einzelnen werden Pilze und Trüffel immer das zugänglichste Psychedelikum von allen bleiben. Mithilfe eines Pilz-Bestimmungsbuches kann man sie buchstäblich kostenlos auf der Wiese einsammeln und auch was die Nutzung angeht, gibt es immer mehr informative Resourcen und professionelle Beratung.

Aber es gibt auch immer noch eine Menge Aberglauben und Missinterpretationen.

Ich habe selbst schon einen ganzen Batzen wilder Behauptungen gelesen und gehört, die mir meist auch noch mit voller Überzeugung und ohne böse Absicht erzählt wurden.

Mein Zahnarzt hatte das Wort Psilocybin auch mit Phencyclidin verwechselt. Phencyclidin oder PCP ist eine Strassendroge, die man vielleicht eher unter dem Namen Angel Dust kennt. Das Zeug ist super gefährlich, kann leicht das Hirn schädigen und hat mitunter sehr lange Nachwirkungen.

Und nur weil die Namen ähnlich klingen, glaubte er jahrelang, dass ihm Psilocybin mal einen zweitägigen Horrortrip beschert hätte.

Der Mann ist Arzt, aber seine Ausbildung hat ihn vor dieser Verwechslung nicht bewahrt.

Darum sind mir Quellen so wichtig und wenn du meine Quellen selbst sehen willst, kannst du dir über den Link die Zusammenfassung und Hintergrundinformationen ansehen, die ich fürs recherchieren dieser Folge benutzt habe.

Soviel zu Zauberpilzen…

Das war eine kurze Einführung in die Welt der Zauberpilze.

Wenn du es bis hierher geschafft hast, danke ich dir ganz herzlich für dein Interesse und deine Zeit.

Pilzezauber gibt es auf Spotify und demnächst hoffentlich auch auf anderen Plattformen.

Ich hoffe dass du die ein oder andere interessante Information dabei mitnehmen konntest und freue mich darauf, in Zukunft noch mehr häufig gestellte Fragen aus der Welt der natürlichen Psychedelika zu besprechen.

Quellen

Albert Hofmann: Psilocybin ein psychotroper Wirkstoff aus dem mexikanischen Rauschpilz Psilocybe Mexikana Heim

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